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Nachwuchsleistungszentren
03 Apr 2011

Nachwuchsleistungszentren

Nachwuchs, Spieler, Talente, Vereine No Comments

Am Dienstag den 29.03 gab es einen interessanten Artikel im Hamburger Abendblatt über die Nachwuchsleistungszentren der Fußball-Bundesligisten. Mittwoch erschien ein weiterer Artikel zu dem gleichen Thema in der ZEIT. Anlass für die Berichte war, dass es seit nun mehr 10 Jahren die Verpflichtung für die Vereine gibt, Internate oder Nachwuchsleistungszentren zu betreiben.

In diesem Bereich hat sich in den letzten 10 Jahren natürlich viel getan. Anfangs herrschte noch überall Chaos und es war zum Teil besser, dass die Eltern nicht wussten wie ihren Kindern geschah. Man durfte schlafen so lange man wollte und Nachmittags glichen die Internate mehr einem Haus der Jugend als einer Kaderschmiede. Doch inzwischen haben sich die Vereine, zumindest die meisten, auch in diesem Bereich professionell aufgestellt.

Doch kann man wirklich, wie das Abendblatt es tut, von Goldgruben deutscher Fußball-Talente sprechen?
Schwierig zu beantworten, zumindest muss man sich die Artikel noch mal ein wenig genauer anschauen.

In der Eliteförderung ist Deutschland längst an den einst stilbildenden Vorbildern Frankreich und den Niederlanden vorbeigezogen.

Moment. Ist die Niederlande nicht im letzten Jahr Vize-Weltmeister geworden? Gerade beim Vergleich mit Holland muss man sich immer mal die Einwohnerzahl und die Anzahl der aktiven Spieler im Verband anschauen. Von den 16 Millionen Menschen in Orange braucht der KNVB ca. 1,2 Millionen Spieler in den Fußball-Vereinen um ausreichend Talente auf Spitzenniveau für ein WM-Finale zu produzieren. Unsere Quote um ungefähr das selbe sportliche Niveau zu erreichen sieht etwas schlechter aus. Immerhin haben wir über 6 Millionen Spieler im DFB organisiert aus denen die Talente gezogen und gefördert werden können. Wir haben also ein Pool an Talenten der fast 3 mal so groß ist im Vergleich zur Basismasse unserer Nachbarn. Statistisch gesehen müssten wir also nicht nur mehr Talente haben, sondern diese müssten auch bessere Vorraussetzungen für eine Profi-Laufbahn haben. Insofern sehe ich die Aussage, man sei an den Niederlanden vorbeigezogen, eher kritisch. Selbst wenn man laut Ranglisten an den Niederländern vorbeigezogen wäre, ist die Ausbildung im Tulpenland effektiver, da aus einem kleineren Pool größere Talente hervorgebracht werden.

Alleine in dieser Saison fließen rund 90 Millionen Euro aus der Liga in die Leistungszentren.

Nun gut, bei diesen Zahlen muss man allerdings immer berücksichtigen, dass zu den Budgets der Nachwuchsleistungszentren auch die Reservemannschaften zählen und auch viele Spieler die bereits bei den Profis gelandet sind, aus dem Topf der Talenteförderung bezahlt werden. Für die wirkliche Basisarbeit mit den jungen Talenten bleiben also keine 90 Millionen Euro übrig.

Von insgesamt 524 Bundesligaspielern sind heute 275 in den Leistungszentren der Bundesligisten ausgebildet worden. Das sind weit über 50 Prozent. Jeder Klub hat also rund 15 Spieler im Kader, die in einem der Leistungszentren geschult wurden. 107 und damit 20, 5 Prozent aller Bundesliga-Profis sind heute sogar noch bei dem Klub, bei dem sie ausgebildet wurden (Local Player).

Jetzt wird es interessant. Man muss sich erst einmal Fragen was es heißt, in einem Leistungszentrum ausgebildet zu sein? Nehmen wir als Beispiel den Stuttgarter Martin Harnik. Nach 10 Jahren Ausbildung in einem kleinen Dorfverein vor den Toren Hamburgs wechselt er zu Werder Bremen wo er noch 6 Monate in der U19 spielt und dann über einen kurzen Aufenthalt in der U23 zum Profi-Team stößt. Zählt er jetzt als Talent aus dem Nachwuchsleistungszentrum von Werder Bremen? Das wäre natürlich bitter für die gute Arbeit die 10 Jahre bei seinem Heimatverein SC Vier- und Marschlande geleistet worden ist. Solche Beispiele gibt es zuhauf, in der Regel werden diese Spieler immer den NLZ zugeordnet.

Die Konzepte der NLZ beginnen in der U8 und enden mit der U23 in den Reserveteams. Selbst wenn man den Zeitraum verkleinert, zum Beispiel von der U9 bis zur U19, bleiben 10 Ausbildungsjahre. Somit spülen erst jetzt, zum 10jährigen Jubiläum, die wirklich komplett in den NLZ ausgebildeten Talente an die Oberfläche.

Als nächstes müsste man sich dementsprechend anschauen, wer von den Spielern der U19 Mannschaften wirklich alle Mannschaften der Leistungszentren durchlaufen hat. Bleiben wohl nur noch einige wenige übrig. Vorletzter Schritt wäre dann zu schauen, wer von den wenigen Spielern die alle Mannschaften durchlaufen haben, den Sprung in den Profi-Bereich wirklich geschafft hat? So, und der letzte Schritt wäre nun zu schauen ob diese Quote besser ist als vor 10 Jahren, als es noch keine Nachwuchsleistungszentren gab. Diese, zugegebener Weise wahrscheinlich etwas bessere Quote, hat man sich in 10 Jahren mit über 500 Millionen Euro erkauft. Wenn ich mal eine Goldgrube in Süd-Amerika erbe, hat die hoffentlich eine etwas bessere Rendite.

Zu den 107 Spielern die immer noch bei ihren Heimatvereinen spielen möchte ich auch noch eine Bemerkung loswerden. Viele von denen haben ja keinen Profi-Vertrag weil sie riesen Talente sind die man langfristig binden will, sondern die Vereine führen die Local Player Regelung ad absurdum. Wurde diese Regelung geschaffen um Talenten den Weg nach oben zu öffnen, erhalten durschnittliche Talente die lange genug im Verein waren einen Profi-Vertrag damit die Local Player Quote erfüllt wird. Bei den 107 Spielern muss man also schauen, in welchen Mannschaften sie wirklich ihre Einsatzzeiten bekommen.

Da sich die Artikel im Abendblatt und in der Zeit ja auch auf die Nationalmannschaft beziehen, müssten jetzt aus den genannten Zahlen auch noch die Nicht-Deutschen abgezogen werden. Aber ich will den Erfolg der NLZ nicht komplett verwässern, gibt ja schließlich auch immer wieder schöne und erfolgreiche Geschichten aus dem Nachwuchsbereich.

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